
Johanniskraut – Das Sonnenkraut für Körper, Geist & Seele
Wenn du im Hochsommer über sonnige Wiesen oder an Wegrändern entlangspazierst, fallen dir vielleicht die leuchtend gelben Blüten des Johanniskrauts auf. Seit Jahrhunderten zählt diese Pflanze zu den bekanntesten Heilkräutern Europas. Besonders geschätzt wird sie wegen ihrer stimmungsaufhellenden Eigenschaften, aber auch bei Hautproblemen und zur Unterstützung der Wundheilung hat sie ihren festen Platz in der traditionellen Pflanzenheilkunde.
Inhaltsverzeichnis:
- Kurzüberblick
- Erkennungsmerkmale des Johanniskrauts
- Inhaltsstoffe & ihre Wirkung
- Wirkungen des Johanniskrauts
- Anwendungsformen
- Volksglauben & Mythologie
- Hinweise & Vorsichtsmaßnahmen
- Sammeltipps
- Rezepte mit Johanniskraut
- Fazit
Kurzüberblick
- Botanischer Name: Hypericum perforatum
- Volksnamen: Hartheu, Frauen-Bettstroh, Gottesgnadenkraut, Johannisblut, Tausendlochkraut, Hexenkraut, Jägerteufel
- Pflanzenfamilie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
- Blütezeit: Juni bis August
- Standort: magerer Boden, sonnige Wiesen, Wegränder, Böschungen, gedeiht auch im Halbschatten
- Verwendete Pflanzenteile: oberes Drittel des blühenden Krautes
- Sammelzeit: Zeit der vollen Blüte in den Monaten Juli bis August
Erkennungsmerkmale des Johanniskrauts

Johanniskraut ist eine mehrjährige Pflanze, die zwischen 30 und 100 cm hoch werden kann. Typische Merkmale sind:
- leuchtend gelbe, fünfzählige Blüten
- zahlreiche herausragende Staubblätter
- gegenständig angeordnete Blätter
- kleine durchscheinende Punkte in den Blättern, die wie winzige Löcher wirken
- zwei deutlich erkennbare Längskanten am Stängel
Inhaltsstoffe & ihre Wirkung
Johanniskraut enthält eine Vielzahl biologisch aktiver Pflanzenstoffe. Dazu gehören:
- Hypericin: der rote Farbstoff ist einer der bekanntesten Inhaltsstoffe – er wird mit der stimmungsaufhellenden Wirkung der Pflanze in Verbindung gebracht
- Hyperforin: gilt heute als einer der wichigsten Wirkstoffe des Johanniskrauts – es beeinflusst verschiedene Botenstoffe im Nervensystem
- Flavonoide: diese sekundären Pflanzenstoffe wirken antioxidativ und unterstützen entzündungshemmende Prozesse
- Gerbstoffe: fördern die Wundheilung und wirken zusammenziehend auf Haut und Schleimhäute
- Ätherische Öle: tragen zu den beruhigenden und pflegenden Eigenschaften der Pflanze bei
Während man vor Jahren noch einzelne Inhaltsstoffe für die Wirkung des Johanniskrauts verantwortlich gemacht hat, weiß man heute, dass es das Zusammenwirken von Hypericin, Hyperforin und Flavonoiden ist. Für eine gute Wirkung wird also der Gesamtextrakt der Pflanze benötigt.
Wirkungen des Johanniskrauts
Johanniskraut wird traditionell für verschiedene Beschwerden eingesetzt.
Innerliche Anwendung
- Stimmungsschwankungen
- leichte depressive Verstimmungen, insbesondere Winterdepression
- stressbedingte Schlafstörungen
- nervöse Unruhe, Angst
- nervöse Erschöpfungszustände
- Migräne
- Neuralgien
- Reizblase
Äußerliche Anwendung
- Pflege kleiner Wunden
- Prellungen, Verstauchungen, Verrenkungen
- Sonnenbrand
- Nervenschmerzen
- Hexenschuss, Muskelverspannungen
- Gelenkschmerzen
- Pflege von Narben
- Pflege trockener und spröder Haut
- in der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Dammschnitten und bei Dammverletzungen
- in der Stillzeit zur Pflege wunder Brustwarzen
Anwendungsformen
Johanniskrauttee
Der Tee wird traditionell zur Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens und bei nervöser Anspannung getrunken.
Johanniskrauttinktur
Alkoholische Auszüge dienen der langfristigen Haltbarmachung der Wirkstoffe.
Johanniskrautöl (Rotöl)
Das Öl wird äußerlich angewendet und zählt zu den beliebtesten Hausmitteln der Volksheilkunde.
Fertigarzneimittel
Bei stärkeren Beschwerden, wie etwa leichten depressiven Verstimmungen, werden standardisierte Johanniskrautpräparate eingesetzt, da in diesen Fällen der Wirkstoffgehalt von Tee oder Tinktur meist nicht ausreicht.
Volksglauben & Mythologie
Kaum ein heimisches Heilkraut ist so eng mit Brauchtum und Mythologie verbunden wie das Johanniskraut.
Seinen Namen verdankt es dem Johannistag am 24. Juni, dem Festtag Johannes des Täufers. Um diese Zeit steht die Pflanze meist in voller Blüte.
Als besonders wirksam galt die Pflanze, wenn sie an ihrem Namenstag gesammelt wurde. Früher glaubte man, Johanniskraut könne:
- Hexen und böse Geister fernhalten
- Häuser vor Blitzschlag und Feuer schützen
- Glück und Gesundheit bringen
- Albträume vertreiben
Deshalb wurde es oft über Türen aufgehängt oder in die sogenannten Johannissträuße eingebunden.
Die rote Färbung des Pflanzensaftes wurde im Volksglauben häufig als Symbol für das Blut des heiligen Johannes gedeutet.
Hinweise & Vorsichtsmaßnahmen
Johanniskraut ist eine starke Heilpflanze, weshalb du einiges beachten solltest, wenn du die Pflanze einsetzen möchtest:
- Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen (vor allem bei hellhäutigen Menschen).
- während der innerlichen Anwendung solltest du intensive Sonnenbäder und Solarien möglichst meiden.
- die Pflanze kann Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten verursachen – dazu gehören unter anderem bestimmte Antidepressiva, Blutverdünner, Immunsuppressiva und hormonelle Verhütungsmittel.
- bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme solltest du vor einer Anwendung ärztlichen Rat einholen.
Sammeltipps
Wenn du Johanniskraut selbst sammeln möchtest, helfen dir diese Tipps:
- sammle nur an trockenen, sonnigen Tagen.
- ernte bevorzugt die oberen blühenden Pflanzenteile.
- vermeide Standorte an stark befahrenen Straßen oder intensiv bewirtschafteten Feldern.
- sammle nur Pflanzen, die du eindeutig bestimmen kannst.
- lasse immer genügend Pflanzen für Insekten und die natürliche Vermehrung stehen.
Zum Trocknen bindest du kleine Bündel und hängst sie an einen luftigen, schattigen Ort.
Rezepte mit Johanniskraut
Johanniskrautöl (Rotöl)
Sammle an einem trockenen, sonnigen und warmen Tag Blüten, Knospen, grüne Samenkapseln und blütennahe Blätter. Je nach Wetterlage beginnt die optimale Erntezeit etwa um den 21. Juni (Sommersonnenwende) bzw. um den Johannistag (24. Juni) und geht bis in den September hinein.
Die geernteten Pflanzenteile werden dann in einem Mörser etwas angestoßen oder, falls du keinen Mörser hast, mit einem Keramikmesser auf einem Schneidbrett aus Glas oder Kunststoff kleingeschnitten. Fülle ein braunes Schraubglas bis zur Hälfte mit den vorbereiteten Pflanzenteilen und übergieße sie mit Bio-Olivenöl. Alle Pflanzenteile müssen bedeckt sein.
Bedecke das Glas mit Gaze (alternativ Küchenrolle) und stelle es für 3 Tage an einen warmen Ort. In dieser Zeit kann der Wasseranteil aus den Pflanzenteilen entweichen. Nach diesen 3 Tagen verschließt du das Glas mit dem Deckel und lässt es im Haus noch 1 bis 2 Wochen ziehen. Während der Zeit täglich umrühren und darauf achten, dass alle Pflanzenteile von Öl bedeckt sind.
Wichtiger Hinweis:
Der Auszug muss im Dunklen erfolgen, da Sonnenlicht das Hyperforin zerstören würde. Nimm deshalb unbedingt ein Braunglas!
Nach der Ziehzeit kannst du das tiefrote Öl abfiltern und in einer dunklen Flasche aufbewahren. Es hält sich etwa 9 Monate, danach wird das Hyperforin schnell abgebaut.
Johanniskrauttee
2 Teelöffel des getrockneten Krauts mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen und 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2-mal täglich 1 bis 2 Tassen trinken.
Fazit
Johanniskraut gehört zu den bedeutendsten Heilpflanzen unserer heimischen Flora. Seine leuchtenden Blüten begleiten den Sommer und bieten weit mehr als nur einen schönen Anblick. Ob als Tee, Tinktur oder Rotöl – die Pflanze wird seit Jahrhunderten zur Unterstützung von Körper und Seele genutzt.
Wenn du Johanniskraut selbst sammeln möchtest, solltest du auf eine sichere Bestimmung und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur achten. Richtig angewendet kann das Sonnenkraut eine wertvolle Bereicherung für deine Hausapotheke sein.
Beachte aber die oben genannten Vorsichtsmaßnahmen – insbesondere dann, wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst!
Hinweis: Die genannten Wirkungen beruhen ganz oder teilweise auf Erfahrungen aus der Naturheilkunde und ersetzen keine medizinische Beratung. Weitere Hinweise in den Nutzungsbedingungen.


