
Frauenmantel – Die Alleskönnerin unter den Frauenkräutern
Kaum eine Pflanze wirkt sich so positiv auf alle Lebensphasen einer Frau aus wie der Frauenmantel. Wie ein schützender Umhang legt sich Alchemilla vulgaris um Körper und Seele einer Frau, weshalb er in keiner grünen Hausapotheke fehlen sollte.
In der Volksmedizin wird „Allerfrauenheil“, wie das Kraut dort genannt wird, bis heute hoch geschätzt, während es aus Sicht der modernen Pflanzenheilkunde lediglich einen Nutzen als leicht stopfende Gerbstoffdroge bei Durchfall hat.
Inhaltsverzeichnis:
- Kurzüberblick über den Frauenmantel
- Erkennungsmerkmale
- Inhaltsstoffe des Frauenmantels
- Wirkungen des Frauenmantels
- Anwendungsformen
- Volksglauben & Mythologie
- Hinweise & Vorsichtsmaßnahmen
- Sammeltipps
- Rezepte
- Fazit
Kurzüberblick über den Frauenmantel
- Botanischer Name: Alchemilla vulgaris / Alchemilla xanthochlora
- Volksnamen: Allerfrauenheil, Frauenhilf, Venusmantel, Alchemistenkraut, Sinau, Taurose, Taubecher, Marienmantel, Muttergottesmantel
- Pflanzenfamile: Rosengewächse (Rosaceae)
- Blütezeit: Mai bis August, Hauptblütezeit Juni bis Juli
- Standort: sonnig bis schattig, nährstoffreicher humoser bis lehmiger Boden; feuchte Wiesen, Waldränder, Wegränder, Bergwiesen
- Verwendete Teile: oberirdische Teile des blühenden Krauts
- Sammelzeit: ab Anfang Mai (idealerweise bei zunehmendem Mond) während der Blütezeit
Erkennungsmerkmale
Der Frauenmantel wächst buschig und erreicht meist eine Höhe von 10 bis 40 Zentimetern. Seine Blätter sind rundlich gefächert, haben einen fein gezähnten Rand und eine samtig-weiche Blattoberseite.

Am Blattrand scheidet der Frauenmantel überschüssiges Wasser aus (Guttation), das sich häufig in der Mitte des trichterförmigen Blattes zu einem großen, perlenartigen Tropfen sammelt.
Diese Tropfen kannst du vor allem morgens nach feuchten Nächten entdecken.
Dieses von der Pflanze destillierte Wasser war bei den Alchemisten sehr begehrt. Sie versuchten daraus ein Lebenselixier herzustellen, was natürlich nie gelang.
Die kleinen gelbgrünen Blüten erscheinen eher unscheinbar in lockeren Dolden. Die Pflanze ist gut erkennbar, wenn du auf ihre charakteristischen Merkmale achtest.
Verwechslungen sind zwar möglich (die Gattung Alchemilla umfasst unzählige Arten), aber meist ungefährlich, da verschiedene Frauenmantelarten ähnliche Wirkungen haben.
Inhaltsstoffe des Frauenmantels
Frauenmantel enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die für seine Heilwirkung verantwortlich gemacht werden. Allerdings lässt sich das breite Wirkungsspektrum der Pflanze nicht aus einzelnen Inhaltsstoffen ableiten, so dass es eher das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe ist, die die Wirkung ausmachen.
Zu den Inhaltstoffen gehören:
- Gerbstoffe: wirken austrocknend, zusammenziehend, entzündungshemmend, reizmindernd, stopfend
- Flavonoide: anitoxidativ und gefäßschützend
- Phenolsäuren: entzündungshemmend, antimikrobiell und zellschützend
- Phytosterine: pflanzliche Stoffe mit einem möglichen Einfluss auf den weiblichen Hormonhaushalt (progesteronähnlich)
- etwas Kiesel- und Salicylsäure
Wirkungen des Frauenmantels
Traditionell wird Frauenmantel vor allem in der Frauenheilkunde hoch geschätzt. Ihm werden unter anderem folgende Wirkungen zugeschrieben:
- krampflindernd bei Menstruationsbeschwerden
- unterstützend bei Zyklusunregelmäßigkeiten
- hormonell ausgleichend, z. B. bei PMS
- leicht blutstillend bei starker Regelblutung
- ausgleichend und beruhigend in den Wechseljahren
- unterstützend bei Kinderwunsch
- stärkend nach Schwangerschaft und Geburt
- entzündungshemmend
- leicht beruhigend auf Magen und Darm
- unterstützend bei kleinen Hautreizungen
In der Volksheilkunde gilt der Frauenmantel als „Schutzpflanze der Frauen“.
Anwendungsformen
Frauenmantel kannst du auf unterschiedliche Weise anwenden:
- Tee: die häufigste Anwendung ist ein Kräutertee aus getrocknetem Frauenmantelkraut
- Sitzbad: traditionell bei Unterleibsbeschwerden oder nach der Geburt genutzt
- Tinktur: alkoholischer Auszug zur tropfenweisen Einnahme
- Umschläge: abgekühlter Tee kann äußerlich bei kleinen Hautreizungen verwendet werden
- Kräutermischungen: oft kombiniert mit anderen Kräutern wie Schafgarbe, Melisse oder Himbeerblättern
Volksglauben & Mythologie
In der Blattform des Frauenmantels sah man die einhüllende und beschützende Wirkung. Die gefächerten, trichterförmigen Blätter sollten an den Mantel der Jungfrau Maria erinnern. In alten Kräuterbüchern galt die Pflanze als Symbol für Schutz, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit.
Die bereits oben beschriebenen Guttationstropfen wurden von den Alchemisten gesammelt, da man ihnen magische Kräfte zuschrieb. Manche glaubten sogar, daraus den „Stein der Weisen“ herstellen zu können.
Hinweise & Vorsichtsmaßnahmen
Der Frauenmantel gilt allgemein als gut verträglich. Dennoch solltest du einige Punkte beachten:
- nicht dauerhaft in großen Mengen anwenden.
- in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit Hebamme, Arzt oder Heilpraktiker anwenden.
- bei starken oder unklaren Beschwerden medizinischen Rat einholen.
- Menschen mit empfindlichem Magen reagieren manchmal auf die enthaltenen Gerbstoffe.
- eine Neigung zu Stuhlverstopfung kann sich durch den Gebrauch von Frauenmantel verstärken (oft hilft eine kürzere Ziehzeit des Tees).
Heilpflanzen können dich unterstützen, ersetzen aber keine medizinische Diagnose.
Sammeltipps
Wenn du Frauenmantel selber sammeln möchtest, achte auf folgende Punkte:
- nur an unbelasteten Standorten sammeln.
- nicht direkt an Straßen oder gedüngten Feldern sammeln.
- am besten vormittags und bei trockenem Wetter schneiden.
- nur die oberen Pflanzenteile verwenden.
- locker und luftig trocknen, damit die Inhaltsstoffe erhalten bleiben.
- nach dem Trocknen trocken, dunkel und kühl lagern.
Heilkräuter sammeln: Vermeide diese häufigen Anfängerfehler
Wenn du bisher wenig bis keine Erfahrung mit dem Sammeln von Heilkräutern hast, erfährst du in diesem Blogbeitrag, worauf du achten solltest und wie du häufige Fehler vermeidest.
Rezepte
Frauenmanteltee
1 Esslöffel getrocknetes Frauenmantelkraut mit 250 ml heißem Wasser überbrühen, abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Von diesem Tee täglich 1 bis 3 Tassen trinken – traditionell besonders in der zweiten Zyklushälfte beliebt.
Gut zu wissen: Je länger die Ziehdauer, desto mehr Gerbstoffe befinden sich im Tee.
Sitzbad mit Frauenmantel
2 Hände voll getrocknetes Frauenmantelkraut mit 1 Liter heißem Wasser überbühen und mindestens 20 Minuten ziehen lassen, abseihen. Den Frauenmanteltee zusammen mit temperiertem Wasser in eine Sitzbadewanne geben. Für 10 bis 15 Minuten entspannt in der Sitzbadewanne sitzen.
Tipp: Du kannst dem Sitzbad noch 2 bis 4 Tropfen eines für dich angenehmen ätherischen Öls zufügen, zum Beispiel von Lavendel oder Rose.
Fazit
Frauenmantel ist eine traditionsreiche Heilpflanze mit sanfter Wirkung. Besonders in der Frauenheilkunde hat sich das Kraut über Generationen hinweg einen festen Platz bewahrt. Es überzeugt durch seine Vielseitigkeit und seine enge Verbindung zur europäischen Volksmedizin.
Wenn du dich für Wildkräuter interssierst, ist Frauenmantel eine spannende Pflanze, die sowohl optisch als auch heilkundlich viel zu bieten hat.
Vielleicht machst du einmal einen Selbstversuch mit Frauenmanteltee und beobachtest einfach was passiert?
Hinweis: Die genannten Wirkungen beruhen ganz oder teilweise auf Erfahrungen aus der Naturheilkunde und ersetzen keine medizinische Beratung. Weitere Hinweise in den Nutzungsbedingungen.


