Gundelrebe – kleines Wildkraut mit großer Wirkung
Die Gundelrebe, auch als Gundermann bekannt, gehört zu den oft übersehenen Wildpflanzen, die direkt vor unserer Haustür wachsen. Dabei blickt sie auf eine lange Tradition als Heil- und Küchenkraut zurück. Schon im Mittelalter wurde sie wegen ihrer vielfältigen Wirkungen geschätzt. Heute erlebt sie im Zuge der Rückbesinnung auf Wildkräuter eine kleine Renaissance – und das völlig zurecht.
Kurzüberblick zur Gundelrebe
- Botanischer Name: Glechoma hederacea
- Volksnamen: Gundermann, Erdefeu, Donnerrebe
- Pflanzenfamilie: Lippenblütler (Laminaceae)
- Blütezeit: April bis Juni
- Standort: Sonne bis Halbschatten, jeder Boden, Wiesen, Gärten, Wegränder
- Verwendete Teile: ganzes Kraut
- Sammelzeit: Blütezeit
Wirkung der Gundelrebe
Die Gundelrebe hat einiges zu bieten. Sie enthält unter anderem ätherische Öle, Gerbstoffe und Bitterstoffe – eine Kombination, die sie zu einem vielseitigen Heilkraut macht.
Wichtige Eigenschaften:
- entzündungshemmend
- schleimlösend
- harntreibend
- stoffwechselanregend
- wundheilend
- blutreinigend
- antimikrobiell
Traditionell wurde sie bei Erkältungen, Husten und Nebenhöhlenbeschwerden eingesetzt. Auch bei Hautproblemen und schlecht heilenden Wunden fand sie Anwendung, meist äußerlich als Umschlag, Waschung oder Ölauszug.
Volksmedizinisch gilt die Pflanze seit Jahrhunderten als Gegenmittel bei Bleivergiftung. So sollen Maler mit der Gundelrebe ihre Vergiftungen durch bleihaltige Farben behandelt haben.
Anwendung als Heilkraut
Du kannst die Gundelrebe auf verschiedene Weise nutzen:
Innerlich:
- als Tee (bevorzugt frische Blätter, aber auch getrocknet möglich)
- bei Erkältungen
- zur Unterstützung der Verdauung
Äußerlich:
- als Umschlag bei kleinen Hautproblemen
- für Waschungen bei gereizter Haut
- als Ölauszug z. B. für Wundöl, als Pflegemittel für eine geschädigte Haut
Für einen Tee nimmst du etwa 1 bis 2 Teelöffel frisches Kraut pro Tasse und lässt es rund 10 Minuten abgedeckt ziehen.
Verwendung in der Küche
Kulinarisch ist die Gundelrebe ein echtes Geheimtipp-Kraut. Ihr Geschmack ist kräftig und leicht bitter – also lieber sparsam dosieren.
So kannst du sie verwenden:
- in Kräuterbutter oder Frischkäse
- im Wildkräutersalat
- in Suppen oder Eintöpfen
- zu Kartoffelgerichten
Bis heute ist die Gundelrebe ein wichtiger Bestandteil der Gründonnerstagssuppe, die traditionell am Donnerstag vor Ostern gegessen wird. Dem Aberglauben zufolge, soll diese Suppe den Menschen das ganze Jahr über gesund halten.
Tipp: Kombiniere das Kraut mit milderen Kräutern wie Petersilie oder Schnittlauch – so wird das Aroma ausgewogener.
Hinweise & Vorsichtsmaßnahmen
Auch wenn die Gundelrebe als gut verträglich gilt, solltest du ein paar Dinge beachten:
- nicht in großen Mengen esssen – die Bitterstoffe können den Magen reizen
- nicht in der Schwangerschaft einsetzen
- nur sammeln, wenn du dir sicher bist, dass du die Pflanze richtig erkannt hast
- meide stark belastete Standorte (z. B. Straßenränder, Gassirouten, gespritze Flächen)
Gundelrebe sammeln & sicher erkennen
Damit du die Gundelrebe sicher erkennst, achte auf folgende Merkmale:

- kriechender Wuchs mit langen Ausläufern
- rundliche bis nierenförmige Blätter mit gekerbtem Rand
- weiche, leicht behaarte Blätter
- violett-blaue Blüten im Frühjahr
- aromatischer, leicht minziger Geruch
- bildet oft dichte Teppiche – wenn du so etwas siehst, lohnt sich ein genauer Blick
Sammel-Tipps
Wenn du die Gundelrebe selbst sammeln möchtest, helfen dir diese Tipps:
- beste Zeit: Frühling – dann ist die Pflanze besonders aromatisch, idealerweise sammelst du das Kraut bei zunehmendem Mond Anfang Mai
- Standort: such dir saubere, unbelastete Plätze
- Ernte: gesammelt werden die oberirdischen Teile der blühenden Pflanze
- Nachhaltigkeit: sammle nur so viel, wie du verwenden möchtest und lass immer genug stehen, damit die Pflanze weiter wachsen kann
- Verarbeitung: am besten frisch oder schonend trocknen
Kleiner Extra-Tipp: nach dem Sammeln kurz waschen und gut trocknen – so bleibt das Aroma erhalten.
Volksglaube & Mythologie
Die Gundelrebe ist eine der ersten Pflanzen im Frühling. Sie symbolisierte Neubeginn, Lebenskraft und Erneuerung nach dem Winter. Man verwendete sie in Frühlingskränzen oder in der schon erwähnten Gründonnerstagssuppe vor Ostern.
Das Kraut war auch Teil von alten Bräuchen rund um Fruchtbarkeit und Wachstum. So wurde der Brutgans Gundelrebe ins Nest gelegt, damit sie kräftige Junge ausbrütete.
Die Gundelrebe galt als starke Schutzpflanze gegen böse Kräfte. Sie wurde in Kränze geflochten, die an Türen oder Ställe gehängt wurden. Man glaubte, so Hexen und Dämonen fernhalten zu können. Besonders in der Walpurgisnacht (Nacht vom 30. April auf den 1. Mai) spielte die Pflanze eine Rolle als Schutzmittel.
Ein weit verbreiteter Aberglaube besagte, wer einen Kranz aus Gundelrebe trägt, kann Hexen erkennen.
Durch ihr niedriges, kriechendes Wachstum galt sie als „Pflanze der Erde“, die eine Verbindung zur unsichtbaren Welt unter der Oberfläche hat.
Kurz zusammengefasst steht Gundelrebe im Volksglauben für:
- Schutz vor negativen Einflüssen
- Erneuerung & Fruchtbarkeit
- Erkenntnis & „Unsichtbares sichtbar machen“
- Verbindung zur Erde & Naturgeistern
Fazit: warum du nach der Gundelrebe Ausschau halten solltest
Die Gundelrebe ist ein echtes Multitalent, das du ganz leicht selbst entdecken kannst. Ob als Heilkraut oder in der Küche – wenn du sie einmal kennst, wirst du sie draußen garantiert öfter wiederfinden.
Hinweis:
Die genannten Wirkungen beruhen auf Erfahrungen aus der Naturheilkunde und ersetzen keine medizinische Beratung. Weitere Hinweise in den Nutzungsbedingungen.



