Blätter der Schafgarbe

Schafgarbe – Die vielseitige Heilpflanze am Wegesrand

Die Schafgarbe gehört zu den bekanntesten heimischen Heilpflanzen und begegnet uns oft ganz unscheinbar auf Wiesen, an Wegrändern oder trockenen Böschungen. Für mich gehört sie zu den wichtigsten Heilkräutern, denn die Schafgarbe ist nicht nur eine hübsche Wiesenblume, sondern eine bemerkenswert vielseitige Heilpflanze mit langer Tradition.

In der Volksheilkunde gilt die Schafgarbe als „Alleskönnerin“. Besonders geschätzt wird sie bei Frauenleiden, Verdauungsbeschwerden und kleinen Verletzungen. Doch auch ihre Bitterstoffe, ätherischen Öle und Gerbstoffe machen sie zu einer spannenden Heilpflanze.

Inhaltsverzeichnis:

Kurzüberblick über die Schafgarbe

  • Botanischer Name: Achillea millefolium
  • Volksnamen: Bauchwehkraut, Blutstillkraut, Frauendank, Mutterkraut, Heil aller Schäden, Augenbraue der Venus
  • Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Blütezeit: Juni bis Oktober
  • Standort: Sonnige Wiesen, Wegränder, Böschungen, Magerrasen
  • Verwendete Teile: Blüten, Blätter, obere Triebspitzen
  • Sammelzeit: Mai bis September, Blüten am besten während der Hauptblütezeit

Erkennungsmerkmale der Schafgarbe

Die Schafgarbe ist eine ausdauernde Wildpflanze, die zwischen 20 und 80 Zentimeter hoch wird. Im zeitigen Frühjahr beginnt der Austrieb frischer, junger Blätter. Sie bilden eine Rosette, die fast über dem Boden zu schweben scheint. Doch die Wurzel ist fest mit der Erde verbunden, obwohl die Pflanze kein Tiefwurzler ist. Aus der Wurzel entspringen viele kleine Seitenwurzeln, die sich verdicken und rot-violett verfärben. An ihren Enden wachsen neue Schafgarbenpflanzen. Die Schafgarbe vermehrt sich aber auch durch Aussaat und erobert schnell jedes Fleckchen Erde, das ihr gefällt.

Das Wildkraut gehört zu den Pflanzen, die man sofort an ihren außergewöhnlichen Blättern erkennt. Sie sind unendlich filigran und fein gegliedert, fast wie Federn. Daher stammt auch der botanische Name millefolium, was „Tausendblatt“ bedeutet.

Aus der Blattrosette erhebt sich der robuste Blütenstängel. Mit der bloßen Hand lässt er sich nicht abreißen – er ist so fest und zäh, dass du die ganze Pflanze ausreißen würdest. Die Blätter sind ebenfalls fest, wirken etwas drahtig und sind wechselständig am Blütenstängel angeordnet. Am Ende jedes einzelnen Fiederblättchens befindet sich ein kleiner Widerhaken.

Die kleinen weißen bis rosafarbenen Blüten stehen in flachen Dolden zusammen. Zerreibt man die Blüten oder Blätter zwischen den Fingern, verströmt die Pflanze einen würzig-herben Duft.

Wie du siehst, hat die Schafgarbe einige charakteristische Merkmale, trotzdem solltest du beim Sammeln aufmerksam sein. Falls du noch unerfahren im Sammeln von Wildkräutern bist, könntest du die Pflanze mit anderen Doldenblütler verwechseln.

Die feinen Blätter und der typische Geruch helfen jedoch meist zuverlässig bei der Bestimmung.

Heilkräuter sammeln: Vermeide diese häufigen Anfängerfehler

Wenn du noch wenig bis keine Erfahrung im Sammeln von Heilkräutern hast, erfährst du in diesem Blogbeitrag worauf du achten solltest und wie du häufige Fehler vermeidest.

Inhaltsstoffe & ihre Wirkung

Von den Inhaltsstoffen her ähnelt die Schafgarbe der Kamille. In beiden Heilpflanzen kommt Proazulen vor, das bei Wasserdampfdestillation in das tiefblaue Chamazulen übergeht. Chamazulen hat eine entzündungshemmende Wirkung. Folgende Inhaltsstoffe und Wirkungen zeichnen die Schafgarbe aus:

  • Ätherische Öle: wirken entzündungshemmend, krampflösend und antibakteriell
  • Bitterstoffe: regen Verdauung, Gallenfluss und Appetit an
  • Gerbstoffe: haben zusammenziehende und wundheilungsfördernde Eigenschaften
  • Flavonoide: unterstützen die Gefäße und wirken antioxidativ
  • Azulen: entsteht teilweise erst bei der Verarbeitung und wirkt beruhigend und entzündungshemmend
  • Kalium und andere Mineralstoffe: unterstützen Stoffwechsel und Ausscheidung

Die Kombination dieser Inhaltsstoffe macht die Schafgarbe zu einer vielseitigen und geschätzten Heilpflanze der europäischen Volksheilkunde.

Vielseitige Wirkungen der Schafgarbe

Traditionell wird die Schafgarbe unter anderem eingesetzt bei:

  • Verdauungsbeschwerden
  • Völlegefühl, Blähungen und leichten Krämpfen
  • Appetitlosigkeit
  • Menstruationsbeschwerden wie etwa Regelschmerzen, Neigung zu starken und langen Regelblutungen (besonders bei hellroten Blutungen)
  • leichten Entzündungen
  • kleinen Wunden
  • Hautreizungen
  • nervöser Unruhe

In der Frauenheilkunde wird Millefolium seit Jahrhunderten besonders geschätzt. Der alte Spruch „Schafgarb im Leib tut wohl jedem Weib“ zeigt, welchen Stellenwert die Pflanze früher hatte.

Auch äußerlich kann das Heilkraut hilfreich sein – etwa als Sitzbad, Umschlag oder Waschung.

Anwendungsformen der Schafgarbe

Die Schafgarbe kannst du auf verschiedene Weise verwenden:

Tee

Dies ist die häufigste Anwendung. Besonders beliebt ist sie bei Verdauungsbeschwerden, Menstruationskrämpfen oder beginnender Blasenentzündung.

Tinktur

Ein alkoholischer Auszug zur innerlichen oder äußerlichen Anwendung.

Sitzbad

In der Naturheilkunde gerne bei Unterleibsbeschwerden genutzt.

Traditionell wird die Schafgarbe etwa unterstützend bei Blasenentzündungen angewendet – äußerlich als Sitzbad und gleichzeitig innerlich als Tee getrunken kann die Pflanze zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Öl oder Salbe

Zur Pflege gereizter Haut oder bei kleinen Verletzungen.

Tipp: Schafgarbensalbe hilft sehr gut bei rauen und rissigen Lippen, Händen und Füßen.

Kräuterkissen

Der aromatische Duft der Schafgarbe wirkt leicht entspannend.

Volksglauben & Mythologie

In vielen Regionen Europas galt die Schafgarbe als Schutzpflanze. Sie wurde über Türen gehängt oder in Kräuterbüschel eingebunden um Unheil fernzuhalten.

Einige junge Blättchen der Schafgarbe in der Gründonnerstagssuppe sollten vor Krankheit schützen. Wer die Suppe aß, würde sich das ganze Jahr guter Gesundheit erfreuen und gegen Schaden gefeit sein.

Nach Geburten wurde die Schafgarbe früher als Bettstroh verwendet. Sie sollte die Wundheilung fördern und vor Infektionen schützen.

In China wurden die Stängel der Pflanze als Orakel (I Ging) verwendet. Die Schafgarbe symbolisiert dort einen Gelehrten.

Ihren botanischen Namen Achillea verdankt sie einer Legende nach dem griechischen Helden Achilles, der seine Wunden mit Schafgarbe behandelt haben soll.

Hinweise & Vorsichtsmaßnahmen

Die Schafgarbe gilt allgemein als gut verträglich. Dennoch solltest du einige Punkte beachten:

  • Menschen mit Allergien gegen Korbblütler sollten vorsichtig sein.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Pflanze sehr umsichtig dosiert und gegebenenfalls ärztlicher Rat eingeholt werden.
  • Hoch dosierte Anwendungen sollten nicht dauerhaft erfolgen.
  • Bei akuten oder starken Beschwerden ersetzt die Pflanze keine medizinische Behandlung.

Sammeltipps

Schafgarbe sammelst du am besten an trockenen, sonnigen Tagen während der Blütezeit. Gesammelt werden bevorzugt die oberen Pflanzenteile und die frischen Blüten.

Wichtig ist:

  • nur an sauberen Standorten sammeln
  • Abstand zu Straßen und gedüngten Feldern halten
  • nicht an Hundeauslaufgebieten / Gassirouten sammeln
  • nicht alle Pflanzen an einem Standort abernten
  • das geerntete Kraut luftig und schattig trocknen

Frisch geerntete Schafgarb besitzt meist den intensivsten Duft und Geschmack.

weiße und rosa Blüten der Schafgarbe

Rezepte mit Schafgarbe

Schafgarben-Tee

Zutaten:

  • 1 bis 2 Teelöffel Schafgarbenkraut (1 TL = 1,5 – 2 g)
  • 200 ml heißes Wasser

Zubereitung & Anwendung:

Das Schafgarbenkraut mit heißem Wasser übergießen und abgedeckt etwa 7 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bis zu 3 Tassen täglich trinken.

Hinweis: Die Tagesdosis beträgt 4,5 g Kraut, 3 g Blüten.

Schafgarben-Sitzbad

Zutaten:

  • 100 g getrocknetes Schafgarbenkraut
  • 1 – 2 Liter heißes Wasser

Zubereitung & Anwendung

Das Schafgarbenkraut mit dem heißen Wasser überbrühen, abgedeckt 20 Minuten ziehen lassen, abseihen und dem Badewasser zufügen. 20 Minuten baden und dann am besten 1 Stunde nachruhen.

Die Menge des Badewassers sollte so bemessen sein, dass deine Nierengegend im Wasser, deine Herzgegend aber über dem Wasser liegt.

Fazit

Die Schafgarbe ist eine bemerkenswerte Heilpflanze, die seit Jahrhunderten geschätzt wird und bis heute ihren festen Platz in der Naturheilkunde hat. Sie wächst beinahe überall, ist leicht zu erkennen und vielseitig einsetzbar. Besonders ihre Kombination aus Bitterstoffen, ätherischen Ölen und entzündungshemmenden Inhaltsstoffen macht sie zu einer wertvollen Begleiterin für Hausapotheke und Kräuterküche.

Wenn du beginnst, dich intensiver mit heimischen Heilpflanzen zu beschäftigen, kommst du an der Schafgarbe nicht vorbei. Sie zeigt eindrucksvoll, wie viel Heilkraft oft direkt vor unserer Haustür wächst.

Hinweis: Die genannten Wirkungen beruhen ganz oder teilweise auf Erfahrungen aus der Naturheilkunde und ersetzen keine medizinische Beratung. Weitere Hinweise in den Nutzungsbedingungen.

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